Bewerbung und Studienstart an der Karlsuniversität

Wie läuft das Aufnahmeverfahren ab?

Anders als an deutschen Universitäten, ist die Abiturnote nicht ausschlaggebend für eine Aufnahme an der Karlsuniversität. Die medizinischen Fakultäten in Prag veranstalten jährlich Aufnahmetests in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Der Test ist in etwa auf dem Niveau eines vergleichbaren Leistungskurses in der deutschen Oberstufe, weshalb der Test einen guten bis sehr guten Wissensstand voraussetzt. 

Für eine Bewerbung ist es zu allererst notwendig, eine online Bewerbung auszufüllen. Zahlreiche Vermittlungsagenturen bieten hier eine Begleitung während des gesamten Prozesses gegen eine nicht unerhebliche Provision an. Dieser Service ist zwar eine angenehme Hilfe und kann die Chancen auf ein Bestehen deutlich verbessern, jedoch haben es auch zahlreiche unserer StudentInnen auch ohne eine Agentur nach Prag geschafft.

Ist der Papierkram erledigt, wirst du zu einem Aufnahmetest nach Prag eingeladen. Normalerweise finden diese Tests auch in Deutschland statt, sind jedoch dann organisiert von Agenturen und teilweise kostspielig. 

Wie schon oben erwähnt besteht der schriftliche Aufnahmetest aus den drei Fächern Chemie, Biologie und Physik. Für jedes Fach müssen 25 multiple-choice fragen beantwortet werden. Jede Frage hat vier Antwortmöglichkeiten. Es gibt Punkte für richtig angekreuzte und richtig freigelassene Antworten. So können bei 75 Fragen maximal 300 Punkte erreicht werden. Beispiel-Fragen zum Üben können auf der Website der Fakultät gefunden werden. Nach dem Test wirst Du zu einem 10 minütigen Interview eingeladen. Hier können nochmal 30 Punkte erreicht werden. Insgesamt sind also maximal 330 Punkte möglich. Mit 244 oder mehr Punkten gilt der Aufnahmetest als bestanden. Von etwa 1500 BewerberInnen werden jährlich etwa 150 aufgenommen. Es gibt jedes Jahr nur einen Versuch den Test zu bestehen.

Stipendien

Aus einer neuen Kooperation mit der Schwester Euthymia Stiftung (SES) ergibt sich die Möglichkeit Vollzeitstipendien zu beziehen. Für weitere Informationen verweisen wir auf die Website der SES.

Wie unsere Mitglieder das Aufnahmeverfahren erlebt haben

Philipp Grau - Humanmedizin, 1. Medizinische Fakultät

Ich habe mich auf den Test mit Büchern für den US-Amerikanischen SAT-Test vorbereitet. Eine Agentur hat mir bei dem Zusammenstellen der Unterlagen geholfen. Bei der inhaltlichen Vorbereitung war diese jedoch wenig nützlich. Literatur und die oben erwähnten Beispiel-Fragen gibt es kostenlos auf der Website der Fakultät und das Lernen kann Dir sowieso niemand abnehmen. Im Februar habe ich dann noch an einem 3 Wochen Intensiv-Kurs speziell für den Aufnahmetest teilgenommen. Hier konnte ich neue Freundschaften knüpfen und mich super auf die Vorbereitung konzentrieren. Am Ende hatte ich viel Spaß, jedoch sind diese Kurse nicht wirklich günstig. Ich denke am wichtigsten ist, dass man spätestens im November beginnt das Material selbständig zu erarbeiten, um dann rechtzeitig zur Prüfung im April oder Mai glänzen zu können.

Maximilian Wöllersdorfer - Zahnmedizin, 1. Medizinische Fakultät

Während dem Abitur war ich abgelenkt und hatte mich schlecht auf den Test vorbereitet. Versucht habe ich es trotzdem, allerdings vorerst ohne Erfolg. Daraufhin habe ich beschlossen einen einjähriges Vorstudium zu belegen. Ich habe den Vorbereitungskurs in der tschechischen Kleinstadt Podebrady gewählt. Dort habe ich Material gelernt, welches teilweise selbst über das Niveau von Leistungskursen in Chemie, Biologie, und Physik herausgeht. Der Aufnahmetest im nächstem Jahr fühlte sich schon fast leicht an, wobei ich im Jahr davor noch kläglich gescheitert bin. Zu Beginn des Studiums war ich bereits an das Leben und die Sprache in Tschechien gewohnt, gut auf das Lernumfeld vorbereitet, und hatte durch meine Bekanntschaften aus dem Vorstudium schon einen Freundeskreis aus angehenden Medizinern um mich herum. Ich erinnere mich gerne an dieses Jahr zurück und bin inzwischen dankbar dafür, dass ich den Test nicht beim ersten Versuch geschafft habe, weil ich diese Erfahrung sonst nie gemacht hätte.

Emma Dieterich - Humanmedizin, 2. Medizinische Fakultät

Für mich stand schon immer fest, dass ich Medizin studieren will. Mit einem Abitur von 2,3 stehen die Chancen für ein Medizinstudium in Deutschland allerdings nicht so gut.

Also absolvierte ich zuvor eine 2-jährige Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und arbeitete sogar noch ein Jahr. Während dieses Jahres schaute ich mich nach Alternativen zu Deutschland um und stieß dabei durch eine Freundin auf Prag. Als wir das Wort „Aufnahmetest“ lasen, fing das Herz natürlich direkt an zu klopfen. Nachdem wir rausbekommen hatten, was man dafür alles wissen muss, stand fest, dass wir es nicht alleine stemmen können. Also begann unsere Suche nach Erfahrungsberichten und Empfehlungen. Damals gab es allerdings kaum welche, sodass wir nur eine Agentur fanden, die uns gegen eine saftige Summe ein paar Altfragen zukommen ließ und uns mit der Übersetzung des Abiturzeugnisses half.

Im Nachhinein rate ich persönlich von solchen Agenturen eher ab. Warum? Ich hatte natürlich durch meine Ausbildung einen gewissen Vorteil in den Fächern Chemie und Biologie. Dennoch habe ich mich circa ein halbes Jahr lang vor dem Aufnahmetest jeden Abend nach meinem Vollzeitjob 2-3 Stunden zuhause hingesetzt und bin die Grundlagen der Chemie, Biologie sowie Physik durchgegangen. Ich hatte das Glück, durch meinen Job Zugang zur Bibliothek des Krankenhauses zu haben. Dort habe ich mir vor allem Bücher inklusive Lernplänen für das Physikum der deutschen Medizinstudenten ausgeliehen, was ich jetzt jedem empfehlen würde, der sich auf den Test vorbereitet. Die Altfragen der Agentur habe ich mir das erste Mal einen Monat vor der Prüfung angeschaut.
Ich möchte damit nicht sagen, dass es jedermanns Sache ist, sich nach einem anstrengenden Vollzeitjob abends noch hinzusetzen bis es dunkel ist. Vielmehr möchte ich damit sagen, dass es auf jeden Fall möglich ist und man dazu nicht zwingend die Agentur braucht.
Um den Test zu bestehen, muss man sich ausreichend vorbereiten, das ist klar. Aber es geht auch ohne Agentur und aus eigener Kraft!
Die besagte Freundin hat es übrigens genauso gemacht wie ich und wir haben beide einen Platz bekommen ;-)

Wie Du siehst führen viele Wege nach Prag. Damit Du deinen Weg einfacher finden kannst, haben wir für Dich eine Übersicht erstellt.

Was gefällt uns am Studium in Tschechien und was könnte besser sein?

Fangen wir mit den Vorteilen an. Grundsätzlich ist das Studium mit seinem Abschluss EU weit anerkannt. Wer nach dem Studium zum Beispiel in Deutschland die Assistenzarztausbildung anfangen will, muss lediglich alle Prüfungsergebnisse und Abschlüsse an das zuständige Landesprüfungsamt schicken und ein paar Wochen auf die Anerkennung warten. Ähnlich ist es auch mit Praktika in Deutschland. Gerade in den klinischen Jahren genügen ein paar Mails und die Famulatur in Deutschland steht. So können große Teile des vierten und fünften Jahres außerhalb Tschechiens absolviert werden.  

Ein weiterer Punkt ist, dass das Studium komplett auf Englisch ist. Ist das ein Vorteil? Unserer Meinung definitiv. Da unsere Professoren selbst meistens keine englischen Muttersprachler sind, ist das Sprachniveau nicht extrem hoch, was dazu führt, dass man auch in den ersten Semestern fast alles versteht. Nach dem Studium kann man ohne Probleme in allen englischsprachigen Ländern arbeiten. Da die medizinische Terminologie relativ international ist, hat man jedoch auch kein Problem in deutschsprachigen Ländern bzw. Krankenhäusern Fuß zu fassen.  

Der nächste große Vorteil ist Prag selbst. Prag ist definitiv europaweit eine der besten Studienstädte. Die Stadt ist sehr sicher, multikulturell, sauber…. Im Vergleich zu deutschen Städten sind die Lebensunterhaltskosten noch etwas geringer. Außerdem hat Prag eines der besten Verkehrsnetze in Europa. Mit einem Studententicket kannst du für ca. 50 € im Jahr Metro, Tram und Bus nutzten. Ein Auto haben die Wenigsten. Für Ausflüge aus der Stadt bietet sich die Tschechische Bahn an, mit der man als Student für wenige Euro quer durchs Land kommt. Die deutsche Grenze ist nur ca. zwei Autostunden entfernt. Einige deutsche Städte haben eine direkte Airline zum Flughafen in Prag.  

Zuletzt muss noch gesagt werden, dass die Studentenorganisationen aller Fakultäten in Prag ziemlich gut sind. Dadurch, dass alle Studenten in den internationalen Parallelen aus dem Ausland kommen und nicht jedes Wochenende nach Hause fahren, entsteht sehr schnell eine sehr gut vernetzte Community und du kannst mit Freunden aus der ganzen Welt rechnen.  

Nun zu den Nachteilen. Für einige ist wahrscheinlich schon die Studiengebühr ausschlaggebend. Diese variiert zwischen den verschiedenen Fakultäten und beträgt zwischen 330.000CZK und 360.000CZK pro Jahr.  

Durch Unterschiede um Lehrplan ist ein Wechsel nach Deutschland nach den ersten Semestern mit viel Zeitverlust und Aufwand verbunden. Den deutschen Doktortitel kann man direkt in Tschechien nicht erlangen. Dafür bekommt man mit Abschluss des Studiums hier automatisch den tschechischen Doktortitel.  

Ein weiterer Nachteil ist die Sprachbarriere zwischen Studenten und Patienten. Die meisten Patienten sprechen Tschechisch und nur sehr motivierte und sprachbegabte Studenten werden Tschechisch auf einem ausreichenden Niveau lernen, um mit den Patienten problemfrei kommunizieren zu können. Unter anderem deshalb bleibt die praktische Ausbildung wohl unter dem Niveau der deutschen Ausbildung.  

Auch zu erwähnen sind wohl die hohen Durchfallquoten in den ersten zwei bis drei Jahren. An der Ersten Fakultät erreichen beispielsweise weniger als 50 % das vierte Jahr in Regelstudienzeit.  

Letztlich sollte noch gesagt werden, dass Erasmus nur an manchen Fakultäten unterstützt wird und ein PJ nicht vorgesehen ist.